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Thread: Engleutsch, Gulaschdeutsch...

  1. #1
    kaleun
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    Post Engleutsch, Gulaschdeutsch...

    Ach du lieber Gott!
    Engleutsch? So was nennt man dieser Deutsch-Englisch Mischmasch, der weder Deutsch noch Englisch ist, sondern eine Art Gulaschdeutsch. Es schadet der individuellen sprachlich-kulturellen Identität.
    So wie:
    „Diese Erklärung gilt für alle auf meiner Homepage angebrachten Links“
    „Als Voice Message posten“
    „Diese Seite bookmarken“
    „Wollen Sie canceln?“

    Das Deutsche ist eine genaue und geistvolle Sprache.
    Wir brauchen jedoch keine Fremdwörter, wenn sich der Inhalt auf deutsch gut ausdrücken läßt oder wenn es im Deutschen schon einen Ausdruck dafür gibt. Kids und Family z. B. wird nicht verwendet, weil man in unserer Sprache keine Wörter dafür fände, sondern ganz einfach, weil die Benutzer glauben, daß diese Wörter moderner, "fetziger" klängen, mehr "in" ("hip") seien als Kinder und Familie. Das ist Torheit. Für neu auf den Markt kommende Geräte den englischen Namen zu übernehmen zeigt Faulheit, kreativ hingegen ist, sich neue Wörter dafür auszudenken (wie es früher ja auch geschah, vgl. Eisenbahn für railroad, wörtlich "Schienenstraße".)
    Es ist wichtig, die deutsche Muttersprache zu pflegen und erhalten, und sie von jener Neuerungssucht zu befreien, von der die Betroffenen irrtümlich meinen, diese könne eine Offenheit für internationale Verständigung , und zwar: (a) mit der Verwendung von überflüssigen Amerikanismen; (b) sowie mit der Benützung von (oft sogar falschen) Wortkonstruktionen, die zwar englisch klingen, aber im heutigen Englisch gar nicht vorkommen, (c) auch mit sogar falsch mit dem Deutschen verbundenen englischen Wörtern und (d) mit der oft gedanken-, sinnlosen und nur vermeintlichen "Schmückung" deutschen Textes mit englischen Wörtern und Texten - oder durch Ersatz deutschen Textes durch englische Wörter und Texte.
    Seit Beginn der neunziger Jahre ist zu beobachten, daß die deutsche Sprache durch eine ständig steigende Anzahl englischer Wörter beeinflußt und nicht nur für die Älteren zunehmend unverständlicher wird. Kaum ein Bereich der Gesellschaft blieb davon verschont. Besonders in der Werbung oder in der Sprache der Jugend nehmen englische Ausdrücke überhand: „fashion“, „champion-league“, „fit“, „job“, „wellness-weekend“ , „prime time“, „message“, aber auch deutsch-englische Mischwörter wie „Talk-Runde“, „Bahn-card“, „Laserdrucker“, „Slipeinlage“, „Cheeseburger“ und viele andere mehr finden immer weiter Verbreitung
    „Wir schlüpfen morgens easy in unseren Slip, unser T-shirt oder unseren Body, breakfasten bei Mc Donald´s, lunchen im nächsten Fast-food, holen unser Bier im Sixpack und zu unserer Verschönerung eine Moisture Cream im Body-Shop, gehen zum Hair Stylist, informieren uns am Service Point, fahren mit unseren Kids im Inter-City, sitzen am Computer, am Scanner oder am Laptop, betätigen uns als Online-Surfer, bezahlen für unsere Citycalls.... und die Jüngeren finden das meist cool und die Älteren meist nicht o.k.“, spottete neulich ein Sprachwissenschafter.
    Wie eine Umfrage im Jahr 1999 in der Bundesrepublik Deutschland ergab, standen die meisten Befragten der Menge der Anglizismen sehr ablehnend gegenüber. Selbst der deutsche Bundespräsident Johannes Rau merkte im November 2000 anläßlich eines Kongresses in Mainz kritisch an:
    „Der inflationäre Gebrauch von Amerikanismen in der Werbung und in den Medien, aber auch in den Veröffentlichungen vieler Unternehmen und Behörden, soll Fortschrittlichkeit und Modernität signalisieren. Tatsächlich aber ist er oft ein Hinweis auf die Verarmung der Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Sprache. Tatsächlich grenzt er all diejenigen aus, die Englisch und Amerikanisch nicht verstehen, viele Ältere, viele Jugendliche, die nicht die entsprechende Schulbildung haben...“
    Welche Gründe hat der zunehmende amerikanische Einfluß auf unsere Sprache, wenn ihn viele zwar ablehnen, Anglizismen und unsinnige Wortschöpfungen wie „Handy“ aber durch Massenmedien und Werbung im gesamten Sprachgebiet verbreitet werden?
    Diese Haltung schlage sich heutzutage einerseits in einer mitunter geradezu fatalen „Anglisierung“ des Deutschen, andererseits in der Vermeidung des Deutschen in bestimmten Kommunikationssituationen nieder. Etwas überspitzt ausgedrückt: Heute nehmen die Überschätzung des Fremden, der Mangel an Selbstwertgefühl und die Mißachtung der eigenen Sprache mitunter groteske Formen an.
    Und man wird dem ungarischen Germanisten nicht widersprechen, wenn man bedenkt, wie nahezu „selbstverständlich“ deutsche Politiker bei internationalen Tagungen bereit sind, sich mit Kollegen aus Ost- und Südeuropa in Englisch zu unterhalten, wie wohl diese häufig besser deutsch als englisch sprechen.
    Deutschsprachige, und vor allem öffentliche Repräsentanten der deutschsprachigen Staaten wie Politiker, Wissenschaftler, Künstler, Sportler usw, müssen sich dezidierter zu ihrer Muttersprache bekennen. Eine Sensibilisierung für das Sprachliche, wozu auch die Achtung der eigenen Muttersprache und der Respekt für andere Sprachen gehört, wäre allgemein nötig. Denn ein gesundes kulturelles Selbstwertgefühl der Deutschsprachigen ist nicht nur ein Schlüssel für ihre unverkrampfte Identität, sondern gleichermaßen auch für die Anbahnung einer gebührenden Rolle und eines angemessenen Prestiges der deutschen Sprache im Rahmen der interkulturellen Mehrsprachigkeit Europas.
    Von den Bürgern unseres Landes wird genau unterschieden zwischen dem Vorteil, sich in mehreren Sprachen gut ausdrücken zu können und dem Ärgernis, durch die massenhafte Übernahme ausländischer Begriffe die eigene Sprache abzuwerten.
    Es ist die Aufgabe der Politik zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, eine weitere Zurückdrängung und Verarmung der deutschen Sprache zu verhindern. In verschiedenen europäischen Staaten, Frankreich, Polen oder Lettland, um nur einige zu nennen, wurden in der Vergangenheit Sprachschutzgesetze erlassen. Sie sollen zur Wahrung der kulturellen Identität beitragen, aber auch dem Verbraucherschutz dienen. Für Sprachgesetze, die nur ein letztes Mittel sein sollten, fehlen zur Zeit im deutschen Sprachraum die Voraussetzungen. Es wird aber erst die Zukunft weisen, ob man wirklich ohne sie auskommen kann.
    (Bund für deutsche Schrift und Sprache; Text bearbeitet und leicht gekürzt).

    Und in Österreich:

    „Die Inhaltsangabe des Heftes Wiener Szene (herausgegeben von „Wien-Tourismus“): 1. Sightseeing. 2. Events. 3. motion + emotion. 4. Lifestyle. 5. Service.

    Man hat den Eindruck, daß Werbung für eine amerikanische Hinterwäldlerstadt gemacht wird, nicht für eine Weltstadt.“

  2. #2
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    Wednesday, February 11th, 2009 @ 10:29 AM
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    Dem Beitrag kann ich nur voll und ganz zustimmen.

    Es ist traurig, mitansehen zu müssen, wie unsere Sprache verfällt und wie gleichgültig der Gesellschaft dieser doch leicht vermeidbare Wandel ist.

    Besonders unverständlich für mich ist es, daß viele Jugendliche, die nicht einmal richtiges Englisch sprechen können, den Anglizismen verfallen, obwohl sie die eigentliche, ursprüngliche Bedeutung vieler Wörter im Englischen nicht einmal kennen.

  3. #3
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    Du hast vollkommen recht!

    Das ist nur diese typish Deutsche Nachäffungs-sucht, vor welcher bereits Ernst-Moritz Arndt gewarnt hat.

    Das war das Schöne an der DDR als ich dort war, es war einfach alles DEUTSCH. Kein einziges englishes Wort hat man dort vorgefunden. Erstaunlich, wie die bloß ohne English leben konnten. eyes:

  4. #4
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    Na, dafür hatten die doch Russisch

  5. #5
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    Originally posted by Helmi
    Na, dafür hatten die doch Russisch
    Na ja - ich habe jedenfalls keine kyrillishen zeichen und Worte and jeder Werbefläche gesehen.
    War übrigins auch recht wenig Werbung überhaupt. Angenehm, nicht überall gleich mit irgendwelchen Produkten zugeschüttet zu werden.
    Ich habe mich ehrlich gesagt, sehr wohl gefühlt. Es war zwar alles ziemlich heruntergekommen, aber doch auch sehr ursprünglich Deutsch. Besonders in den kleineren Städten.

    Und keine Kanaken weit und breit! Das reinste Paradies!

    Gruß

  6. #6
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    Ich stimme dir zu. Ich bin Amerikaner, und hab' Deutsch an der Hochschule gelernt. Wir haben viele französische und amerikanische Wörter benutzt, und das habe ich blöd gefunden. Besonders wenn es hat mit Komputer zu tun (Website, Bookmark, Internet), aber auch wenn es nur mit Essen oder Kultur zu tun hat. Babysitten? Organization statt Gesellschafts?Restaurant? Pommes Frites? Champignon statt Pilzens? Es gibt tausende Bespiele. Meine Meinung nach ist, der Reinheit des deutschen Spraches muß geschützt sein (Verzeihung, für die Fehler. Ich hab' Deutsch seit ein Jahr fast nie gesprochen).

  7. #7
    kaleun
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    Du hast doch Recht.
    Siehe auch: http://www.bdfs.de
    und (für Schriften und Verweise) http://www.fraktur.com
    Last edited by kaleun; Saturday, August 17th, 2002 at 08:21 PM.

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