Kosegarten Ludwig Gotthard Theobul
Via crucis, via lucis
Durch Nacht zum Licht! und wenn das grause Dunkel
Auch rings um dich die Schöpfung hüllt. -

Getrost! getrost! auf mitternächtlich Dunkel
Folgt Sonnenaufgang lieb und mild.
Durch Sturm zur Ruh! und wenn auch Erd' und Himmel
Der Windsbraut donnernd Rad durchrollt -
Getrost! getrost! auf lautes Sturmgetümmel
Folgt linde Stille, leis' und hold!
Durch Frost zum Lenz! und wenn vor Eurus Blasen
Auch alles Mark der Erd' erstarrt. -
Getrost! getrost! auf wildes Winterrasen
Folgt Frühlingssäusel, jung und zart!
Durch Streit zum Sieg! und wenn im Speergemenge
Auch tausend Tode dich umdräun -
Getrost! getrost! auf heißes Schlachtgedränge
Folgt Siegsgeschrei und Friedensreihn!
Durch Schweis zum Schlaf! und wenn des Mittagsschwüle
Auch schwer ermattend auf dir liegt. -
Getrost! getrost! bald weht die Abendkühle,
Die dich in süßen Schlummer wiegt!
Durch Kreuz zum Heil! und wenn des Lebens Plagen
Auch stark, wie Riesen, dich bedräun. -
Getrost! getrost! auf jammervolles Klagen
Soll Friede Gottes dich erfreun!
Durch Weh zur Wonn'! und weinst du auch am Morgen,
Und weinst du acuh um Mitternacht. -
Getrost! getrost! und laß den Vater sorgen,
Der über dir im Himmel wacht!
Durch Tod zum Leben, durch die Tränentale der Erde,
Durch das Distelfeld des Lebens
Hoch hinauf zum hohen Hochzeitsaale,
Zur Fröhlichkeit der beßern Welt!